Die Geschichte von Andlau und seinen Burgen
Von der Abtei der heiligen Richardis bis zu den Burgen Spesburg und Hoh-Andlau: mehr als tausend Jahre Geschichte.
Ob Sie von der Elsässer Weinstraße, aus Le Hohwald oder aus Straßburg kommen: Sie gelangen ins Val d'Eléon, so der ursprüngliche Name der Gemeinde Andlau im Jahr 880. Im Mittelalter besaß Andlau das Stadtrecht; heute zählt die Gemeinde knapp 1.900 Einwohner.
Das Frauenkloster Andlau wurde 880 von der heiligen Richardis gegründet, Kaiserin, Tochter des elsässischen Grafen Erchangar und Gemahlin Karls des Dicken.
Karl der Dicke, 887 auf dem Reichstag zu Tribur abgesetzt, verstieß seine Gemahlin. Der Legende nach errichtete Richardis die Abtei an der Stelle, an der eine Bärin den Boden aufscharrte, um ihr Junges zu begraben – Richardis erweckte es wieder zum Leben. Diese Stelle soll die Vertiefung in der Krypta der Abteikirche sein. Die Bärin folgte Richardis überallhin und wurde zum Symbol der Gründung Andlaus.
Bis 1844 schrieb man diesem Ort heilende Kräfte bei Beinleiden und Kopfschmerzen zu. Die steinerne Bärin, eine romanische Skulptur, stand außerhalb der Abteikirche; 1857 wurde sie in die Krypta vor die Vertiefung gebracht. Man sagte der Bärin sogar nach, sie fördere die Fruchtbarkeit.
1049, bei der Weihe der Abteikirche St. Peter und Paul durch den elsässischen Papst Leo IX., wurde Richardis heiliggesprochen. Ihre Reliquien ruhen in einem Schrein hinter dem Altar.
Der Bär ist in Andlau bis heute allgegenwärtig: 1998 stiftete die Bruderschaft der Hospitaliers die Statue des Bären, der eine Weintraube verspeist, auf dem Schulplatz – ein Werk des Grafen Roland d'Andlau.
Umgeben von Weinbergen und Wäldern ist Andlau Ausgangspunkt zahlreicher Ausflüge zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto auf ausgeschilderten Wegen.
Die Burg Spesburg
Dieser Wächter aus Granit thront auf einer Felsspitze in 460 Metern Höhe über dem Val d'Eléon. Die Gemeinde Andlau kaufte die Burg 1904 zurück; seit 1985 kümmert sich ein Verein um ihren Erhalt und die Pflege der Zugangswege.
Die 1247 zur Kontrolle des Andlautals und der Abtei errichtete Burg ist aus Granit-Buckelquadern erbaut und besteht aus zwei Teilen: dem Hauptwohnbau und der Vorburg. Der herrschaftliche Wohnbau besitzt auf der Ostseite Spitzbogenfenster, einige davon noch mit Sandsteineinfassung; der quadratische Bergfried steht am westlichen Ende.
1386, nach dem Tod Walters von Dicka, ging die Burg an die Herren von Andlau über. Zwischen 1622 und 1625, während des Dreißigjährigen Krieges, wurde sie zerstört, als sie den Einwohnern als Zufluchtsort diente.
Seit 1967 steht sie unter Denkmalschutz; 1999–2000 wurde sie restauriert und gesichert, ebenso ihr Bergfried.
Die Burg Hoh-Andlau
Die Burg liegt in 451 Metern Höhe auf dem Silberberg und ist schon von Weitem an ihren zwei Türmen zu erkennen. Ab 1246 von Eberhard von Andlau erbaut und 1344 vollendet, besteht sie ganz aus Granit, hat einen lang gestreckten, vieleckigen Grundriss und überragt zwei Täler: das Kirnecktal im Norden Richtung Barr und das Andlautal im Süden.
Von 1534 bis 1589 von den Herren von Andlau restauriert, wurde sie 1678 von Marschall de Créqui zerstört. Während der Französischen Revolution kaufte ein Händler die Burg und verkaufte sie in Einzelteilen: Holzvertäfelungen, Dach, Beschläge und Steine fanden bei anderen Bauten im Tal Verwendung.
Ihr Haupteingang auf Höhe der Vorburg ist als verwinkelter Torweg angelegt, der möglichen Angreifern zahlreiche Fallen stellte. Sie wird von zwei Türmen mit 10 Metern Durchmesser flankiert.
Der 37 mal 9 Meter große herrschaftliche Wohnbau erhält durch große Fensteröffnungen zur Ebene hin Licht: Das Erdgeschoss diente als Weinlager, der 1. Stock mit gotischen Fenstern als Wohnbereich, der 2. Stock besaß Renaissancefenster. Die vielen Öffnungen machen sie eher zu einem repräsentativen Schloss als zu einer Festung; noch 1796 wohnten dort Förster.
1818 kaufte Graf Antoine-Henri d'Andlau die Burg, um sie vor dem Abriss zu bewahren; 1859 und 1928 wurde sie vom Vogesenclub gesichert. Seit 1926 steht sie unter Denkmalschutz und wird vom Verein der Freunde der Burg gepflegt.
Eckdaten
- 880 · Gründung der Abtei durch die heilige Richardis
- 1049 · Heiligsprechung von Richardis durch Papst Leo IX.
- 1247 · Bau der Burg Spesburg
- 1246–1344 · Bau der Burg Hoh-Andlau
- 1926 / 1967 · Beide Burgen stehen unter Denkmalschutz